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Der deutsche Angriff auf Luxemburg und die Besatzung 1940–1944
Am 10. Mai 1940 überschritten deutsche Truppen die luxemburgische Grenze. Der Angriff war Teil des deutschen Westfeldzugs gegen Frankreich. Für Luxemburg begann damit eine mehrjährige Besatzung, in der die nationalsozialistische Führung die Selbstständigkeit des Landes beseitigte und seine Bevölkerung unter deutsche Herrschaft zwang.
Die Planung des Westfeldzugs
Nach dem deutschen Angriff auf Polen ließ Adolf Hitler im Herbst 1939 eine Offensive gegen die westlichen Gegner vorbereiten. Bereits die erste Fassung des Operationsplans „Fall Gelb“ vom 19. Oktober 1939 sah einen Angriff über die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg vor.1
Der Plan wurde in den folgenden Monaten mehrfach überarbeitet. In der endgültigen Fassung lag ein Schwerpunkt des Angriffs bei der Heeresgruppe A. Sie sollte durch Luxemburg und die Ardennen in Richtung Maas und Sedan vorstoßen. Ziel war es unter anderem, die französische Maginot-Linie zu umgehen und die alliierten Kräfte in Nordfrankreich und Belgien einzuschließen.1 2
Luxemburg war damit Bestandteil der deutschen Operationsplanung gegen Frankreich. Die konkrete Angriffsführung entstand durch Entscheidungen und Überarbeitungen zwischen Herbst 1939 und Frühjahr 1940.
Der Einmarsch am 10. Mai 1940
Am frühen Morgen des 10. Mai 1940 überschritten deutsche Truppen die luxemburgische Grenze. Damit verletzte Deutschland die Neutralität des Großherzogtums.
Am selben Tag übergab der deutsche Gesandte der luxemburgischen Regierung ein Memorandum. Darin versicherte die Reichsregierung, sie wolle die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit Luxemburgs nicht antasten. Diese Zusicherung stand im Widerspruch zur Verletzung der Neutralität und zur späteren Besatzungspolitik.3
Großherzogin Charlotte und Mitglieder der Regierung verließen das Land und setzten ihre Arbeit später im Exil fort. In Luxemburg selbst stand das Land zunächst unter deutscher Militärverwaltung.
Von der Militärverwaltung zur Zivilverwaltung
Am 21. Juli 1940 wurde Gustav Simon, Gauleiter von Koblenz-Trier, zum Chef der Zivilverwaltung in Luxemburg bestellt. Durch einen geheimen Erlass vom 2. August 1940 wurde er unmittelbar Hitler unterstellt.3
Simon sollte Luxemburg nach nationalsozialistischen Vorstellungen umgestalten und seine Eingliederung vorbereiten. Die Besatzungsbehörden beseitigten schrittweise luxemburgische staatliche Strukturen und unterwarfen Verwaltung, Organisationen und öffentliches Leben der nationalsozialistischen Kontrolle.
Luxemburg wurde faktisch annektiert, auch wenn eine formelle staatsrechtliche Eingliederung in das Deutsche Reich ausblieb.4
Germanisierung und Verfolgung
Die deutsche Zivilverwaltung versuchte, die luxemburgische Bevölkerung zu germanisieren. Der Gebrauch des Französischen wurde eingeschränkt, öffentliche Einrichtungen wurden umgestaltet und nationalsozialistische Organisationen ausgebaut. Eine Verordnung über den Gebrauch der deutschen Sprache datiert vom 6. August 1940.5
Die Besatzung war zugleich von politischer Verfolgung und Gewalt geprägt. Jüdische Menschen wurden entrechtet und deportiert. Auch politische Gegner, tatsächliche oder vermeintliche Angehörige des Widerstands sowie andere von den Besatzern verfolgte Personen waren von Verhaftung, Verschleppung und weiteren Zwangsmaßnahmen betroffen.
Zwangsrekrutierung und Widerstand
Im August 1942 wurde die Wehrpflicht für Luxemburger eingeführt beziehungsweise angekündigt. Viele junge Luxemburger wurden dadurch gezwungen, in deutschen Diensten zu kämpfen.
Die Maßnahme löste einen landesweiten Streik aus. Die Besatzungsmacht schlug ihn gewaltsam nieder. Teilnehmer und andere als Gegner angesehene Luxemburger wurden verfolgt; mehrere Streikende wurden nach Urteilen deutscher Standgerichte erschossen.6
Quellen für die weitere Forschung
Die Entscheidungen zum Einmarsch und zur Besatzung lassen sich anhand militärischer Planungen, deutscher Verwaltungsentscheidungen und der Überlieferung der Besatzungsbehörden untersuchen.
Das Luxemburgische Nationalarchiv verwahrt unter anderem den Bestand des „Chefs der Zivilverwaltung“. Das online zugängliche Inventar verzeichnet Unterlagen zur deutschen Zivilverwaltung, zu Sicherheitsbehörden und zur Militärverwaltung. Das Inventar beschreibt die Archivalien; nicht alle Dokumente selbst sind online einsehbar.7
Quellen
- 1.Britische amtliche Kriegsgeschichte: Entwicklung des Operationsplans „Fall Gelb“. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 2.Bundesarchiv: Der Westfeldzug 1940 in den Quellen des Heeres und der Waffen-SS. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 3.Paul Dostert: Luxemburg unter deutscher Besatzung 1940–1945. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 4.Deutsches Historisches Museum: Die Besetzung von Luxemburg. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 5.The Historical Journal: The German Administration in Luxemburg 1940–1942: Toward a ‘de facto’ Annexation. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 6.Luxemburgisches Regierungsportal: Luxemburg im Zweiten Weltkrieg. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
- 7.Luxemburgisches Nationalarchiv: Inventar des „Chefs der Zivilverwaltung“. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)