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Hitlers Frankreichbild, der Westwall und Luxemburg

Adolf Hitlers Schrift Mein Kampf enthält Aussagen über Frankreich und die politischen Ziele des Nationalsozialismus. Doch lassen sich daraus auch der spätere Bau des Westwalls und die Besetzung Luxemburgs erklären?

Die Antwort ist: Es gibt politische und strategische Zusammenhänge. Einen konkreten Plan für den Westwall oder den Einmarsch in Luxemburg enthält die Schrift jedoch nicht.

Frankreich als Gegner

Hitler stellte Frankreich in Mein Kampf als dauerhaften Gegner Deutschlands dar. Er beschrieb die deutsche Westgrenze als militärisch ungünstig und sprach sich gegen eine rein defensive Haltung gegenüber Frankreich aus.

Die kritische Edition des Instituts für Zeitgeschichte ordnet eine entsprechende Passage als möglichen frühen Hinweis auf eine größere strategische Vorstellung ein: Frankreich sollte niedergeworfen werden, bevor Deutschland im Osten Europas expandieren könnte.

Das zeigt eine politische Zielrichtung. Ein konkreter Operationsplan für den späteren Krieg im Westen lässt sich daraus nicht ableiten.1

Der Westwall als spätere Befestigung

Die Planung einer deutschen Westbefestigung begann erst Jahre nach Erscheinen des Buches. Als offizieller Baubeginn des Westwalls gilt Hitlers Befehl vom 28. Mai 1938, den Ausbau erheblich zu beschleunigen.

Der Westwall verlief entlang der deutschen Westgrenze und bestand unter anderem aus Bunkern, Unterständen und Panzersperren. Auch gegenüber Luxemburg lagen Teile des Befestigungssystems.

Die Anlagen sollten einen Angriff aus dem Westen erschweren und mögliche Gegner abschrecken. Zugleich dienten sie der Kriegsvorbereitung des NS-Regimes. Die Propaganda überhöhte den Westwall und stellte ihn als nahezu unüberwindbar dar.2

Luxemburg und die Sprachgrenze

In Mein Kampf behauptete Hitler, die deutsche Sprachgrenze habe sich über Jahrhunderte zuungunsten des Deutschen verschoben. Er nutzte diese Behauptung, um seine Forderung nach einer aktiven Politik gegenüber Frankreich zu untermauern.

Die kritische Edition widerspricht dieser Darstellung. Ihr Kommentar verweist auf eine seit dem Mittelalter vergleichsweise stabile deutsch-romanische Sprachgrenze, die vom Norden Luxemburgs bis in die westliche Schweiz verlief.

Der Bezug zu Luxemburg steht im wissenschaftlichen Kommentar. Er ist kein Hinweis darauf, dass Hitler an dieser Stelle die Besetzung des Landes plante.1

Einordnung

Mein Kampf ist eine Quelle für Hitlers politische Vorstellungen und sein Feindbild gegenüber Frankreich. Der Westwall und die Besetzung Luxemburgs entstanden aus späteren Entscheidungen, die in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang betrachtet werden müssen.

Quellen

  1. 1.Institut für Zeitgeschichte München–Berlin: Mein Kampf. Eine kritische Edition, Band II, Kapitel 15, Seite 339, Anmerkungen 41 und 42. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)
  2. 2.Stiftung Grüner Wall im Westen: Geschichte des Westwalls bis 1945. Quelle öffnen (öffnet in neuem Tab)